Eine alte Liebe wiederentdeckt – Segeln auf dem IJsselmeer

Am letzten Wochenende haben wir eine alte Liebe aufgewärmt. Nachdem ich als Student am Kemnader Stausee gejobbt und dort auch im Segelboot-Verleih eingesetzt wurde, war es klar, dass ich bei der Gelegenheit den Sportbootführerschein Binnen gemacht und mit den Jollen des Bootsverleihs über den See gekreuzt bin. Damals haben wir davon geträumt, irgendwann mal auf einer Jacht größere Gewässer unsicher zu machen.

Damals fehlte uns (als Studenten) allerdings das Geld, später die Zeit und so ist dieser Traum irgendwie hinter Andere zurück getreten und in Vergessenheit geraten. Bis Anfang Mai unser Freund Sebastian (in BBQ-Kreisen auch als „Spätzünder“ bekannt) uns gefragt hat, ob wir nicht Lust hätten, im Sommer eine Jacht zu chartern und mit ihm ein Wochenende auf dem IJselmeer zu verbringen. Da haben wir nicht lange gezögert und zugesagt.

Im Vorfeld haben ich die wichtigsten Knoten noch einmal wiederholt und Mona diese auch beigebracht. Zumindest das Belegen von Klampen und das befestigen und verstellen der Pfänder sollte sie können.

Am Freitag (22.07.2022) ging es also los. Offiziell konnten wir das Boot ab 14:00 übernehmen, aber als wir gegen 13:00 im Yachthafen Enjoy Sailling ankamen war das Boot bereits fertig und wir konnten gleich an Bord Es handelt sich um eine Bavaria 33 Cruiser.

Dies war unser erster Blick auf die Pérsomi. Was würde uns wohl an diesem Wochenende auf diesem Boot erwarten?

Wir hatten uns zuvor auf Youtube ein Bild von dem Bootstyp gemacht. Nun an Bord wirkte sie aber doch größer als erwartet. Wie erwähnt ich bin bisher lediglich Jollen (zumeist Efsix) gesegelt und auch das ist 20 Jahre her.

Zuerst erfolgte eine ausführliche Einweisung durch unseren Skipper Sebastian. Sicherheitshinweise, welche Ventile sind vor Fahrtantritt zu schließen, was haben wir beim ablegen zu tun.

Dann ging es los.

Etwas nervös war ich beim ersten Ablegen schon. Unser erster Jachthafen war etwas Abseits vom Ijselmeer und so ging es zuerst gemütlich unter Motor zur nächsten Schleuse.

Vor der Schleuse übten wir nochmal das Anlegen mit Steuer- und Backbordseite. Insbesondere das Werfen der Leinen war als Crew unsere Aufgabe und Herausforderung. Bei wenig Wind hatten wir zum Glück genug Zeit, Fehlwürfe zu wiederholen. Nachdem das Schleusen so vorbereitet dann auch ohne Probleme ablief konnten wir den Nachmittag bei wenig Wind dann tatsächlich erste Erfahrungen sammeln. Viel Wind hätten wir hier nicht gebraucht, aber etwas mehr hätte es schon sein dürfen.

Zum Abend schlief der Wind dann ganz ein. Wir entschieden uns die erste Nacht im Jachthave Friese Hoek zu verbringen. Das kostet im Gegensatz zu dem Haven, wo wir das Boot übernommen hatten zwar eine Gebühr, aber wir sparten uns zwei mal die Fahrt durch die Schleuse.

Anlegerschluck:

Veganes Essen zu finden war nicht ganz einfach. Vielfach gab es in den Karten vegetarische Gerichte, aber natürlich nur mit Käse überbacken. Klar, wir sind ja in den Niederlanden. Wahrscheinlich hätten wir das alles auch ohne Käse bekommen können, aber wir wollten auch keine sprachlich bedingten Missverständnisse riskieren. In der Pizzeria „Pizza Lovers“ haben wir aber dann einen sehr leckeren Avocado Burger bekommen und mit Blick auf die Kracht genossen. Auch Sebastian (welcher kein Veganer ist) hat ihn bestellt und fand ihn lecker. Können wir also weiter empfehlen.

Hier noch ein paar Impressionen aus Lemmer:

Am nächsten Tag setzten wir dann Kurs auf Enkhuizen auf der westlichen Seite des IJsselmeer. Leider hatten wir am Samstag noch weniger Wind. Dafür war es jetzt am Wochenende etwas voller und ich konnte die Vorfahrtsregeln auffrischen. Am Ende unseres Törns sollte aber auch Mono diese drauf haben.

Leider schlief der Wind irgendwann völlig ein. Schweren Herzens holten wir also die Segel ein und fuhren ca. zwei Drittel der Strecke mit Hilfe des Flautenschiebers.

Hafeneinfahrt Enkhuizen:

Kulinarisch hatten wir hier weniger Glück. Samstags wird es sehr voll und man kann froh sein, überhaupt einen Platz zu bekommen. Im SCHIPPERS CAFE T‘ ANKERTJE bekamen wir wenigstens noch eine Sitzgelegenheit im Innenraum. Leider war der vegane Falaffelburger nicht der Hammer. Offenbar waren die in der Karte als „vegan“ gekennzeichneten Gerichte lediglich als vegane Variante zu haben. Nach dem Weglassen einige Bestandteile blieben aber nur noch ein (wirklich guter) Bun, ein ziemlich trockenes Falaffelpatty, eine Tomatenscheibe und etwas Ketchup. Darüber konnte auch das wirklich leckere Bier nicht hinweg täuschen.

Danach noch eine kleine Runde durch den Ort:

Sonntag morgen waren Mona und ich schon früh Uhr wach, nachdem wir ca. 1 Stunde mit einer Mücke gekämpft und verloren haben sind wir um 6:00 Uhr zu den Duschen gegangen. Nachdem wir über das Heck gepoltert sind dürfte Sebastian auch wach gewesen sein. Zu dieser Uhrzeit waren die Duschen vollkommen Leer und super sauber.

Dank der frühen Stunde habe ich die nächste Lektion auch nicht allzu schmerzlich lernen müssen. Der 4 Minuten Countdown der Dusche betraf nicht die Zeit, welche das Wasser läuft (wie ich annahm) sondern die Gesamtzeit. Als ich also eingeseift war, war die Zeit auch schon um und die Dusche blieb trocken. Ich war aber zum Glück alleine hier und konnte schnell in die Nachbarkabine huschen.

Die Zeit, bis der Hafenkiosk um 8:00 öffnete nutzten wir dann für unsere morgendliche Hunderunde. Nur halt ohne Hund. Den hatten wir zum Glück zuhause gelassen. Es waren übrigens erstaunlich viele Hunde auf den anderen Booten im Hafen. Und nicht alle wirkten in dieser Umgebung sehr glücklich. Unsere „Herr Lehman“ hätte es an Bord gehasst.

An diesem Sonntag wurden wir zumindest vom Wind verwöhnt. 18 bis 20 Knoten. Da haben wir uns dann sogar entschlossen die Segelfläche zu verkleinern und zu reffen. Wir hatten spürbaren Seegang und ich musste teilweise heftig am Ruder kurbeln im den Kurs zu halten.

Leider waren wir mit dem Segeln so beschäftigt, dass wir hierzu keine wirklich brauchbaren Fotos haben. Zum Ende des Tages ließ der Wind aber auch wieder nach, so dass wir wieder bei ruhigen Verhältnissen zurück durch die Schleuse konnten. Den letzten Abend an Bord hatten wir zumindest kulinarisch in unserer Hand. Einmal wollte ich die „Panry“ (Bordküche) testen. Auf einer der beiden kardanische aufgehangenen Gaskocher wurden Nudeln gekocht und mit einer Fertigsauce aus dem Glas verzehrt. Keine große Kunst aber trotzdem lecker. Insbesondere wenn man von einem langen Tag auf See zurück kommt.

Fazit: Wir zwei sind auf jeden Fall angefixt und werden das Segel weiter verfolgen. Für Oktober und das nächste Frühjahr planen wir bereits an je einem Skipper-Training teilzunehmen und wenn alles klappt können wir im nächsten Sommer dann bereits mit eigenem Sportbootführerschein selber ein Jacht chartern. Wir werden berichten.

An einem kurzen Wochenende will das Boot natürlich genutzt werden, weshalb die Landgänge etwas kurz kamen. Gerne würden wir uns also irgendwann Mal eine ganze Woche gönnen, so dass auch etwas mehr Zeit bliebe die angelaufenen Örtchen zu erkunden und dann vielleicht auch rauszufinden, wo wir als Veganer kulinarisch auf unsere Kosten kommen.

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